: aichinger

poster / demo / art installation
Work text
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Ziel: Erfassung und Analyse literarischer Topographien
Der Fokus der Untersuchung liegt auf der literarischen Repräsentation von Raum.
Bisherige Untersuchungen ihres Werks haben erwiesen, dass Aichingers Bezugnahmen
auf Orte und Ereignisse in Wien zentrale Bedeutung zukommt (Fässler 2013). Dabei
fällt auf, dass Aichinger Raumbezüge in verschiedenen Phasen ihres Werks auf
ganz unterschiedliche Weise elaboriert: Der Wienbezug ihres ersten Romans, Die größere Hoffnung (1948), ist für den Leser / die
Leserin unzweifelhaft erkennbar, obwohl Aichinger konsequent auf die Nennung
identifizierbarer Ortsnamen verzichtet. Im mittleren Werk werden Ortsbezüge
zunehmend abstrakt; in ihren spätesten Texten hingegen häufen sich exakte
Ortsangaben im Stadtraum Wien. Ziel des Projekts ist es, grundlegende Strukturen
in Aichingers Referenzierung auf Orte zu ermitteln und deren Zusammenhang zur
historischen Erfahrung herauszuarbeiten, deren Darstellung im Zentrum ihres
Werks steht. Zu diesem Zweck sollen alle Angaben zu Ort, Zeit und Person in
ihren Texten so codiert werden, dass sie einer maschinellen Abfrage zugänglich
und damit sowohl systematisch als auch vollständig evaluiert werden können.

Arbeitsschritte

Digitale Texterfassung
Textgrundlage ist die achtbändige Ausgabe der Werke Ilse Aichingers (S.
Fischer Verlag 1991) sowie die danach erschienenen Einzelbände. Diese Bände
wurden gescannt und mittels OCR (Optical Character Recognition) erfasst und
dadurch maschinenlesbar gemacht. Als Vergleichskorpora sollen zusätzlich die
davon abweichenden Textfassungen der Erstausgabe des Romans sowie der
zwischen 2000 und 2004 in Tageszeitungen publizierten Texte erfasst
werden.

Digitale Texterschließung
Im zweiten Arbeitsschritt wird eine TEI-konforme Datei erstellt, in der die
Texte mithilfe von Standards wie RDF (Resource Description Framework), XML
(Extensible Markup Language) und PoS (Part-of-Speech-Tagging) codiert und
dadurch der maschinellen Abfrage durch Abfragesprachen wie SPARQL (SPARQL
Protocol And RDF Query Language) zugänglich gemacht werden. Im Hinblick auf
den primären Fokus der Untersuchung, die Erfassung und Analyse der
literarischen Topographien Aichingers, werden vorrangig Personennamen sowie
Orts- und Zeitangaben kodiert. Außerdem ist eine Analyse anhand semantischer
Felder geplant, wofür eine Vernetzung mit unterschiedlichen Datenbanken (z.
B. Dornseiff) vorgesehen ist. Von vornherein soll so gearbeitet werden, dass
die Möglichkeit weitere bzw. speziellere Codierungen zu ergänzen offen
bleibt.

Erhebung und Einpflege zusätzlicher Daten / Metadaten
Ergänzend zur digitalen Erfassung und Erschließung der Texte werden weitere
Metadaten eingebracht. Dies können textgenetisch relevante Daten sein wie
Entstehungs- und Publikationsdaten, oder Sacherläuterungen, wie sie in
Apparaten wissenschaftlicher Editionen oder Kommentaren üblich sind, sowie
Hinweise auf Varianten, Querverweise, Illustrationen etc. Ein Teil dieser
Daten ist durch Recherchen in Wiener Archiven oder am Aichinger-Vorlass im
Deutschen Literaturarchiv (DLA) in Marbach zu erheben. Die Auszeichnung
durch RDF ermöglicht aber auch die Verlinkung mit online Datenbanken und
damit den Anschluss an das semantic web (Hitzler et al. 2008; Ivanovic /
Frank 2015).

Darstellung der Ergebnisse
Das Textkorpus :aichinger soll die Basis bilden für die Durchführung von Abfragen
und Analysen, die eine präzise, systematische und vollständige Evaluierung der
Raumbezugnahmen im Gesamtwerk der Autorin ermöglichen soll. Erfassbar werden
dadurch beispielsweise Personenkonstellationen in Verbindung mit Orten sowie
Frequenzen der Nennung bestimmter Orte resp. Wege in Korrelation zur
beschriebenen Zeit wie zur Zeit der Textabfassung. Diese Ergebnisse verlangen
unterschiedliche Darstellungsformen. So sind Diagramme möglich, oder Wordclouds,
die wiederum Häufungen oder Übereinstimmungen bzw. Korrelationen darstellen
können. Auf der Basis der RDF Codierung lassen sich z. B. maschinell Karten
generieren, in denen die erwähnten Orte oder Wege der in den Texten genannten
Figuren u. a. aufscheinen. Die kartographische Darstellung ermöglicht es darüber
hinaus Leerstellen ihres Werkes (nie genannte Orte oder Zonen) oder verdeckte
Strukturen (die Wientopographie, die der für Aichinger maßgebliche Film Der
Dritte Mann darstellt) sichtbar zu machen. Insbesondere anhand solcher Karten
wird das Poster das Konzept und die Analysemöglichkeiten unseres Projektes
darstellen.

Prototyp
Das Projekt dient der Sichtbarmachung und besseren Analyse der raumrelevanten Strukturen im Werk Aichingers und deren Relevanz für die erinnerungskulturell motivierte Schreibweise, der die Autorin verpflichtet ist. Das Projekt hat insofern paradigmatischen Charakter, als die an diesem Beispiel entwickelten Methoden den Status eines Prototyps haben und auch bei der Analyse anderer Textkorpora Anwendung finden sollen.

Bibliographie

Aichinger, Ilse (1991): Werke in acht
Bänden. Herausgegeben von Richard Reichensperger (Die größere
Hoffnung / Der Gefesselte / Eliza Eliza / Schlechte Wörter / Kleist, Moos,
Fasane / Auckland / Zu keiner Stunde / Verschenkter Rat). Frankfurt / Main:
S. Fischer.

Fässler, Simone (2011): Von Wien
her, auf Wien hin. Ilse Aichingers „Geographie der eigenen
Existenz.“ Wien: Böhlau.

Hitzler, Pascal / Krötzsch, Markus
/ Rudolph, Sebastian (2008): Semantic
Web. Berlin / Heidelberg: Springer.

Ivanovic, Christine / Frank,
Andrew (2015): „Auf der Suche nach dem erfüllten Raum: Digitale
Korpusanalyse in der Literaturwissenschaft am Beispiel Ilse Aichinger“, in:
Tagung der Digital Humanities im deutschsprachigen
Raum, Graz.

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In review

DHd - 2016
"Modellierung - Vernetzung – Visualisierung: Die Digital Humanities als fächerübergreifendes Forschungsparadigma"

Hosted at Universität Leipzig

Leipzig, Germany

March 7, 2016 - March 11, 2016

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Conference website: http://dhd2016.de/

Contributors: Patrick Helling, Harald Lordick, R. Borges, & Scott Weingart.

Series: DHd (3)

Organizers: DHd