Aufbau und Erfahrungen aus dem Digital Humanities Lab der Universität Erlangen-Nürnberg

poster / demo / art installation
Authorship
  1. 1. Martin Scholz

    Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg

  2. 2. Jacqueline Klusik-Eckert

    IZdigital, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Work text
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Die Aktivitäten in den Digital Humanities sind an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) historisch bedingt auf zahlreiche Lehrstühle über die fünf Fakultäten verteilt. Mit dem Interdisziplinären Zentrum für digitale Geistes- und Sozialwissenschaften (IZdigital) wurden diese 2014 erstmals lose organisiert. Darauf aufbauend wurde an der philosophischen Fakultät der fächerübergreifende Studiengang Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften etabliert. Zwar wurde damit Studierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften die Möglichkeit eröffnet, sich vertieft und gezielt mit digitalen Aspekten von Forschung, Arbeit und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Doch bleibt abseits des Studiengangs für die breite Masse an Studierenden und Promovierenden die Aneignung von digitaler Kompetenz und der Austausch mit Gleichgesinnten weitgehend auf das Selbststudium und informellen Austausch beschränkt. Mit dem Digital Humanities Lab (DHLab) wollen die Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, das IZdigital und die Philosophische Fakultät gemeinsam diese Lücke füllen oder zumindest schmälern. Das Poster stellt den Aufbau und bisherige Erfahrungen aus dem Betrieb des DHLab vor.

Das Digital Humanities Lab versteht sich als Kombination aus Ort, Personen und Inhalten. Es möchte Studierende, Lehrende und Forschende gleichermaßen in ihren praktischen Belangen, Fragen und Problemen rund um das Thema Digital Humanities unterstützen und begreift sich als Dienstleister für die Geistes- und Sozialwissenschaften. Es verfolgt daher ein offenes Format, das Aspekte eines Helpdesks mit Schulungen, Vorträgen sowie Diskussions- und Netzwerkmöglichkeiten vereint. Das DHLab findet in Räumen der Universitätsbibliothek für je zwei Stunden pro Woche statt, in denen Bibliothekspersonal als Ansprechpartner beziehungsweise Dozent zur Verfügung steht. Die räumliche und personelle Verankerung an der Universitätsbibliothek bietet eine neutrale und institutionelle Plattform, auf der sich die unterschiedlichen DH-Akteure der FAU gleichberechtigt begegnen können. Der offene Charakter ermöglicht Interessierten das Einbringen eigener Expertise und Inhalte. Getreu dem Ziel, die Digital Literacy in die Breite zu streuen, ist das Angebot nicht als Teil bestimmter Curricula konzipiert, sondern als Ergänzung zu den fachlichen Lehrveranstaltungen. Ferner werden in den Schulungen vorwiegend niedrigschwellige Inhalte in kleinen Zeiteinheiten angeboten. Zwar werden nach Möglichkeit Querverweise hergestellt, Lerneinheiten sind aber in sich abgeschlossen, um den Einstieg zu jedem Zeitpunkt zu ermöglichen.
Das DHLab nimmt damit sowohl Anleihen bei den aufkommenden Makerspaces (Owen 2017) als auch der traditionellen Bibliotheksexpertise in der Vermittlung von Informationskompetenz (Rauchmann 2010) und erweitert diese auf digitale Forschungswerkzeuge (Brandtner 2019). Die Implementierung wird bewusst bottom-up betrieben:

In einer Sondierungsphase wurden die Ideen bestehender oder im Aufbau
befindlicher Angebote anderer Institutionen
verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass die bereits
unterschiedlichen Konzepte stark variieren und
nicht einfach auf die FAU übertragen werden konnten. Im Fokus steht daher, in Zusammenarbeit mit Digital Humanists der FAU, konkrete und drängende Anliegen vor Ort anzugehen und umzusetzen: Fragen zu Räumlichkeiten, Wissensvermittlung und Austausch. Dabei konnte auf Erfahrungen vorausgegangener Initiativen des akademischen Mittelbaus aufgebaut werden. So sollen umfangreiche Planungen "am Bedarf vorbei" vermieden werden.

Nach einem Semester Betrieb zeichnen sich bereits erste Vorteile und Herausforderungen dieses Vorgehens sowie gewisse Tendenzen ab: Trotz gemeldetem Bedarf ist das Angebot kein Selbstläufer, sondern muss gezielt und wiederkehrend über verschiedene digitale und analoge Kanäle beworben werden. Als problematisch hat sich hier die Benennung als "Digital Humanities Lab" erwiesen. Der Begriff „Digital Humanities“ spricht die geistes- und sozialwissenschaftliche Zielgruppe ungenügend an, wirkt teils ausgrenzend oder zu abstrakt.

Was hier nun für die geglückte Wahrnehmung der DH als Fach an der FAU zu interpretieren ist, wirkt gleichermaßen ausschließend

für alle nicht Dhler. Dies mag mit dem techniklastigen DH-Studiengang zusammenhängen, der durch den Erlanger Informatikkern (Sahle 2013: 32–37) profunde Programmierkenntnisse verlangt.

Geisteswissenschaftler*innen fühlen sich daher durch die Benennung nicht angesprochen und befürchten, dass die Einstiegshürde für sie zu hoch ist. Darüberhinaus finden sich sozialwissenschaftlich Forschende in dem Begriff nicht wieder, auch wenn Digital-Humanities-Projekte häufig in ihren interdisziplinären Anlagen diese implizieren.

Als Lösung dieses Problems soll eine zielgruppengerechtere Bewerbung der konkreten Inhalte erfolgen. Gut angenommen wurden die Vorträge und die Schulungen zu Software-Werkzeugen, die ohne Programmierkenntnisse einen schnellen Einstieg bieten. Durch die enge Verzahnung mit den Wissenschaftlern entwickeln diese teilweise ein hohes Engagement und bringen zahlreiche Themen und Inhalte ein. Dies wirkt sich überaus fördernd auf Austausch und Vernetzung über die Fach- und Fakultätsgrenzen hinweg aus. Gerade relativ kleine Runden erlauben das Eingehen auf persönliche Wünsche und spezielle Kompetenzen. Gleichzeitig entwickelt sich ein aktiver "harter Kern" von Personen. Ob dies den Zielen wie auch der Außenwirkung eher hinderlich oder förderlich sein wird, ist momentan noch nicht abzusehen. Das Format des Helpdesks wird momentan am wenigsten angenommen. Dies mag der oben genannten Außenwahrnehmung geschuldet sein, den Öffnungszeiten, den weiteren, etablierten Beratungsmöglichkeiten der Universitätsbibliothek, oder auch der höheren Hemmschwelle einer persönlichen Anfrage.
Kurzfristig wird das DHLab seine Aktivitäten daher auf Schulungen und Vorträge konzentrieren. Die einzelnen Inhalte werden genauer abgestimmt, wobei Tandem-Termine aus Erfahrungsschilderungen und einführende Tutorien eine wichtige Rolle spielen und Anreiz geben sollen, sich mit den Technologien zu beschäftigen. Momentan wird auch mit Blended Learning als Erweiterung des Präsenzangebots experimentiert. Als weitere Säule seines Service-Angebots plant das DHLab für 2020 die Bereitstellung von Spezialgeräten wie 3D-Scanner und VR-Brille. Dies soll den Einsatz moderner Technologien auch dort in Lehre und Forschung ermöglichen, wo sich die Anschaffung im Alleingang nicht lohnen würde.

Vgl. beispielsweise das Digital Humanities Learning Lab Marburg (
[letzter Zugriff 24.09.2019]),
das Beratungsangebot der ULB Bonn ( [letzter Zugriff 24.09.2019]) und das Konzept des Scholarly Makerspace der Humboldt-Universität (Kaden / Kleineberg 2019).

Bibliographie

Brandtner, Andreas / Lauer, Gerhard / Reuter, Peter
(2019): "Die Bibliotheken haben ihre Zukunft vor sich, aber es sind Bibliotheken des 21. Jahrhunderts." Bibliotheken als Infrastrukturen der Geisteswissenschaften und als Orte der Selbstkultivierung, in:
ABI Technik, 39(2), S. 171-178. http://dx.doi.org/10.1515/abitech-2019-2011 [letzter Zugriff: 24.09.2019]

Kaden, Ben / Kleineberg, Michael (2019): "Scholarly Makerspaces – Ein Zwischenbericht zum DFG-Projekt FuReSH", in:
LIBREAS. Library Ideas, 35. https://libreas.eu/ausgabe35/kaden/ [letzter Zugriff: 24.09.2019]

Owen,
Ivan (2017): "3D Printing and Makerspaces in Libraries", in: IFLA Trend Report 2017 Update, https://trends.ifla.org/files/trends/assets/documents/ifla_trend_report_2017.pdf [letzter Zugriff: 24.09.2019]

Rauchmann, Sabine (2010): Bibliothekare in Hochschulbibliotheken als Vermittler von Informationskompetenz, Humboldt-Universität zu Berlin, Philosophische Fakultät I, Kap. 1.2.1, 5.1 und 5.2 http://dx.doi.org/10.18452/16133 [letzter Zugriff:24.09.2019]

Sahle, Patrick (2013): DH studieren! Auf dem Weg zu einem Kern- und Referenzcurriculum der Digital Humanities, DARIAH-DE Working Papers Nr. 1, Göttingen, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:7-dariah-2013-1-5 [letzter Zugriff 24.09.2019]

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Conference Info

Incomplete

DHd - 2020
"Digital Humanities zwischen Modellierung und Interpretation"

Hosted at Universität Paderborn

Paderborn, Germany

March 2, 2020 - March 6, 2020

130 works by 320 authors indexed

Conference website: https://zenodo.org/record/3666690

Contributors: Patrick Helling, Harald Lordick, R. Borges, & Scott Weingart.

Series: DHd (7)

Organizers: DHd